Heimweh. Produktiv.

Die IT-Spezialistin June Odongo kehrte aus den USA nach Kenia zurück und gründete dort ein Unternehmen, eine Art Frachtbörse: Senga Technologies. © Bettina Rühl

Afrikanische Spitzenkräfte kehren zurück

Die Wahrnehmung von Afrika hat sich geändert: es gilt neuerdings auch als ein Kontinent, auf und mit dem man gute Geschäfte machen kann. Das makro-ökonomische Wachstum vieler Staaten ist seit einigen Jahren beeindruckend. Auf einem der Spitzenplätze steht überraschenderweise Äthiopien – das Land, aus dem in den 80er Jahren Fernsehbilder einer furchtbaren Hungersnot auch deutsche Haushalte erreichten. Aber das Land hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt, das Wirtschaftswachstum beträgt in den letzten Jahren zwischen acht und zehn Prozent – ausgehend allerdings von einem extrem niedrigen Niveau. Auch Ghana verzeichnete zwischenzeitlich zweistellige Zuwachsraten, jetzt ist der Boom etwas abgeflaut, liegt aber immer noch bei um die vier Prozent. Für diese erfolgreichen afrikanischen Staaten gilt: Sie sind in den vergangenen Jahren stärker gewachsen, als die krisengebeutelten Industrienationen. Der Westen entdeckt diese Länder allmählich als mögliche Handelspartner. Und auch viele Afrikanerinnen und Afrikaner sehen ihre alte Heimat neu. 

 WDR 5 Neugier Genügt, 31. Juli 2017

 

 

"Es reicht!" - Junge kongolesische Aktivisten kämpfen um Veränderung.

In der Millionenmetropole Goma im Osten des Kongo hat kaum jemand einen Wasseranschluss, deshalb holen die Menschen ihr Wasser am Kivu-See. Gegen diesen und andere soziale und politische Missstände geht die Jugendbewegung "LUCHA" auf die Barrikaden.

In der Demokratischen Republik Kongo versucht Präsident Joseph Kabila, seine Amtszeit verfassungswidrig zu verlängern. Er ist immer noch an der Macht, eigentlich hätte er längst abtreten müssen: sein zweites Mandat lief im Dezember 2016 aus, Neuwahlen hätten schon stattfinden müssen. Aber Kabila und seine Regierung blockieren. Dagegen geht die Bevölkerung seit Monaten auf die Straße, die Sicherheitskräfte reagieren mit Gewalt. Die kongolesischen Aktivisten wollen sich davon nicht einschüchtern lassen. Vor allem die Mitglieder der Bewegung LUCHA," Lutte pour le changeant" (Kampf für die Veränderung) wollen für andere politische und gesellschaftliche Verhältnisse im Kongo kämpfen. Sie fühlen sich als Teil einer neuen Bewegung, die sich auch in anderen afrikanischen Staaten bemerkbar macht. Im Senegal und in Burkina Faso haben Aktivisten erfolgreich für Machtwechsel gekämpft. 

NDR Info Das Forum, April 2017

 

 

Die Hoffnungsträger. Rückkehrer nach Somalia

Downtown Mogadischu. © Bettina Rühl

Seit sich die Lage in Somalia etwas stabilisiert hat, kehren Tausende ehemalige Flüchtlinge in ihre kriegszerstörte Heimat zurück. Abdullahi Sheikh Musa Hassan gründete nach 20 Jahren im britischen Exil eine Druckerei in Mogadischu. Der Journalist Abdikarim Alikaar arbeitet bei einem somalischen Fernsehsender. Er setzt sich für politische Bildung und Pressefreiheit ein. Dafür nimmt er ein Leben mit hohem Risiko und die Trennung von seiner Familie in London in Kauf. Menschen wie Hassan und Alikaar weisen den Weg in eine bessere Zukunft, sofern Somalia trotz der anhaltenden Kämpfe überhaupt eine Zukunft hat.

SWR 2 Tandem, März 2017

 

 

Mali: Mit Waffen Frieden schaffen?

Deutsche UN-Soldaten im Camp Castor in Goa in Nordmali © Bettina Rühl

Der westafrikanische Wüstenstaat Mali steckt seit einem Militärputsch 2012 und der anschließenden Besetzung des Nordens durch mehrere bewaffnete, überwiegend islamistische Gruppen in einer schweren Krise. Trotz eines Friedensabkommens vom Sommer 2015 kommt das Land nicht zur Ruhe. Dabei versucht das Ausland offiziell alles, um den Krisenstaat zu stabilisieren und den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen: durch Militäreinsätze und Entwicklungshilfe. An der UN-Mission MINUSMA ist auch die Bundeswehr beteiligt, ebenso an einer Ausbildungsmission der Europäischen Union für die malische Armee. Parallel dazu ist Frankreichs Armee unter eigenem Kommando in Mali und den benachbarten Staaten präsent. Warum findet das Land keinen Frieden – ist der Einsatz von Waffen der falsche Weg? Bettina Rühl hat Bundesehrsoldaten, französische Militärs und die Bevölkerung im nordmalischen Gao und der Hauptstadt Bamako gefragt, was aus ihrer Sicht nötig wäre, um Mali zu stabilisieren.

 DLF Das Feature, 14. Februar 2016

 

 

Quoten, Zahlen, Traumata. Jesidische Flüchtlinge in Deutschland.

Ein Flüchtlingslager für Jesuiten in der Nähe der nordirakischen Stadt Dohuk © Bettina Rühl

Im Jahr 2015 nahm die Baden-Württembergische Landesregierung 1000 schwer traumatisierte jesidische Flüchtlinge aus dem Nordirak auf. Im Sommer 2014 waren hunderttausende von ihnen von der Terrormiliz IS aus ihrer Heimat vertrieben worden. Ihre Dörfer und Städte wurden zu Schauplätzen von Massenvergewaltigungen und Massenmorden. Rund 5000 Frauen wurden zum Teil mit ihren Kindern verschleppt, viele von ihnen schwer missbraucht. In der Region selbst kann den seitdem schwerst traumatisieren Frauen kaum jemand helfen, weil es kaum ausgebildete Psychotherapeuten gibt. Aber was bedeutet es für die Flüchtlinge und ihre deutschen Helfer, wenn so viele auf einmal nach Deutschland kommen? War den traumatisierten Frauen vor ihrer Reise wirklich klar, was das Leben ohne ihre Familie im fremden Deutschland für sie bedeuten wird?

Das Feature hat einige von ihnen vom Nordirak nach Deutschland begleitet und sie über einige Monate lang in Deutschland mehrfach wieder getroffen. Wurde der Umbruch zum Neuanfang?

SWR 2 Feature, 28. September 2016/ DLF Das Politische Feature, 18. Oktober 2016

 

 

Aufbruch aus der Wüste. Vom Ziegenhirten zum Professor

Der Gartenbauprofessor Turoop Losenge © Bettina Rühl

Der Nomadensohn Turoop Losenge durfte nur in die Schule gehen, weil er beim Hüten der Ziegen so schlecht war. Inzwischen ist der Kenianer Professor für Gartenbau und damit der erste Wissenschaftler aus dem Volk der Samburu. Seine Eltern, die weder lesen noch schreiben können, besucht er regelmäßig. In seinem Heimatdorf besitzt er Rinder und Ziegen, wie es bei dem Hirtenvolk üblich ist. Doch jedes Tier vom anderen unterscheiden kann er nicht mehr. Für einen Samburu ungewöhnlich ist seine Partnerschaft: Er wollte eine gleichberechtigte Frau, die ebenso wie er studiert hat. Turoop Losenges Lebensweg erzählt auch davon, warum die Korruption in Afrika so verbreitet und die Demokratie oft so instabil ist.

SWR 2 Tandem 11. Juli  2016 

 

 

Folterkammer Eritrea. Ein Feature über die Finanzierung einer Diktatur.

Die Opfer der Flüchtlingstragödien im Mittelmeer stammen zumeist aus Eritrea. Das Land gilt als das „Nordkorea“ Afrikas. Zehntausende fliehen jährlich aus ihrer Heimat, tausende wollen nach Deutschland, wo inzwischen eine der größten eritreischen Gemeinden Europas lebt. Schlepper führen die Menschen den gefährlichen Weg über den Sudan, die Sahara, an die 2000 km entfernte Mittelmeerküste nach Libyen. Und es werden immer mehr. Die EU unterstützt das eritreische Regime mit Millionenbeträgen, um den Exodus zu stoppen. Aber das Regime profitiert selbst von der Massenflucht und die eigenen Militärs betätigen sich angeblich als Schlepper und Schmuggler. Warum finanziert Europa eine Diktatur? 

 

ARD radiofeature Juni 2016

 

 

Eritrea - Geschichte eines einstigen Hoffnungsträgers

Eritrea, das kleine Land im Osten Afrikas, ist heute fast so etwas wie ein Paria. Dabei war die Region jahrzehntelang Hoffnungsträger einer linken, international interessierten Bewegung auch in Deutschland. 1961 erhoben sich marxistische Befreiungsbewegungen gegen den äthiopischen Kaiser Haile Selassie. Als noch während des Krieges der Kaiser gestürzt wurde und ein Äthiopien eine sozialistische Militärdiktatur wurde, verlor der Kampf nicht an Berechtigung. Obwohl viel kleiner als die äthiopische Armee, war die hoch motivierte eritreische Volksbefreiungsarmee EPLF schließlich siegreich: Am 24. Mai 1991, also vor rund 25 Jahren, marschierte die EPLF in der eritreischen Hauptstadt Asmara ein. Zwei Jahre später wurde die Region nach einem Referendum unabhängig. Ende gut, alles gut? Ganz im Gegenteil. Mittlerweile herrscht in Eritrea eine grausame Diktatur. 

BR 2 radiowissen, 20. Mai 2016 

 

 

Islamistische Aussteiger in Somalia

Ausbildung zum Kfz-Mechaniker im Demobilisierungszentrum Baidoa in Somalia. © Bettina Rühl

Im ostafrikanischen Somalia kämpfen islamistische Terroristen seit vielen Jahren gegen die Regierung. Nach militärischen Rückschlägen haben hunderte Islamisten die Shabaab-Miliz verlassen, die zum Terrornetzwerk Al-Kaida gehört. Die Regierung versucht, sie mit finanzieller Hilfe auch aus Deutschland wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Ein schwieriger Prozess, denn es gibt auch international kaum Erfahrung mit der Reintegration so vieler ehemaliger bewaffneter Islamisten. Außerdem ist die Arbeit gefährlich, für die Aussteiger und für alle, die sich um ihre Wiedereingliederung bemühen. Denn die Shabaab-Miliz ist noch nicht besiegt und droht Aussteigern und ihren Helfern mit Rache. 

SWR2 Wissen, 8. März 2016


Libyen - Eine Reise in den Abgrund

Panzer an einem Kontrollpunkt in der Nähe vn Misrata. © Bettina Rühl

In Libyen verhalfen die NATO und einige arabische Staaten vor vier Jahren bewaffneten Milizen zu einem Sieg über den langjährigen Diktator Muammar al-Gaddafi. Doch was ein Systemwechsel werden sollte, führte zu permanentem Bürgerkrieg und zum Kollaps von System und Wirtschaft. Das Land ist zerfallen, zwei Regierungen ringen um die Vorherrschaft. Konkurrierende Milizen, darunter der Islamische Staat, kämpfen um Einflussgebiete. Ökonomische, ethnische und ideologische Interessen sind dabei kaum unterscheidbar. Für die Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger, Lebensmittel und Benzin werden in dem ölreichen Land immer knapper, Medikamente und medizinische Behandlungen zum Luxus. Was ein Kampf für Demokratie werden sollte, stellt sich heute für viele als Kampf ums pure Überleben dar. Wie bewältigen sie überhaupt noch ihren Alltag in einem kollabierten Staat, einer kollabierten Wirtschaft? Wen machen sie für das Chaos verantwortlich, von wem erhoffen sie sich Hilfe.

DLF/SWR Februar 2016


Eastleighwood: Kunst statt Scharia

Burhan Iman, der Gründer von Eastleighwood © Bettina Rühl

Die 18-jährige Mona Ibrahim spielt seit kurzem Theater in "Klein Mogadischu", so wird ein Stadtteil von Nairobi genannt. Mona beweist Mut: Sie ist Kenianerin somalischen Ursprungs und in ihrer Familie gilt ihr Verhalten als "unislamisch". Von der kenianischen Bevölkerungsmehrheit wird sie wegen ihres islamischen Glaubens und ihres somalischen Äußeren diskriminiert. Seit die islamisch-somalische Shabaab-Miliz in Kenia regelmäßig Anschläge verübt, werden Somalier pauschal des Terrorismus verdächtigt. Mona und andere junge Menschen haben das Kulturzentrum "Eastleighwood" gegründet und arbeiten mit Mitteln der Kunst daran, Klischees zu verändern. Von radikalen Islamisten werden sie bedroht. 

SWR 2 Tandem, 15. Februar 2016


Waffen gegen Elfenbein

Wildhüter im Garamba-Nationalpark in der DR Kongo © Bettina Rühl

Wilderer erlegen in Afrika zehntausende Elefanten. Zu ihren „Geschäftspartnern“ gehören auch afrikanische Milizen und Terrorgruppen. 

Der Schmuggel mit Elfenbein ist hoch lukrativ. In China kostet Roh-Elfenbein 1800 Dollar pro Kilo. 2002 waren es nur 100 Dollar. Die Jagd ist brutal effektiv: Die Wilderer sind gut organisiert, benutzen oft militärische Waffen, manchmal sogar Kampfhubschrauber. Aber nicht nur die Tiere sind in Gefahr. Die massive Präsenz internationaler Kartelle destabilisiert die ohnehin schwachen Staaten der Region, warnen die Vereinten Nationen. Und dass sich islamistische Terrorgruppen wie die somalische Shabaab-Miliz auch durch den Schmuggel mit Elfenbein finanzieren, macht die Bedrohung international. 

WDR Dok 5, 03.01.2016, Produktion: WDR / BR 2014


Südsudan - Trotz Friedensabkommen ist der Friede noch weit

Kind bei der Lebensmittelverteilung in Bentiu
Lebensmittelverteilung im Vertriebenenlager von Bentiu im Südsudan © Bettina Rühl

Im Schatten anderer Krisen spitzt sich die Lage im Südsudan weiter zu. Dort eskalierte im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem damaligen Vize Riek Machar zu einem brutalen Krieg, der entlang ethnischer Linien geführt wird. Die Kämpfe zwischen der Regierungsarmee und Rebellen halten trotz eines Friedensabkommens an. Die Regierung hat das Dokument Ende August 2015 nur unter massivstem Druck der Geber unterzeichnet. Die Rebellen stimmten schon vorher zu, sie würden dadurch aus dem Konflikt als Gewinner hervorgehen. Die Regierung würde künftig von den Gebern streng kontrolliert, auch in ihrem Finanzgebahren. Die Internationale Gemeinschaft versucht offensichtlich, aus dem Scheitern der Staatsgründung 2011 zu lernen und nun robuster vorzugehen. Die Bevölkerung zweifelt aber daran, dass der Vertrag wirklich umgesetzt wird. Währenddessen hält die Not an, selbst in den Camps von Vertriebenen hungern Menschen. Während der Regenzeit sind die Notunterkünfte tausender Vertriebener überflutet.

Deutschlandfunk Hintergrund, 21. Oktober 2015


Der Anführer

Ignace_Murwanashyaka
Ignace_Murwanashyaka © Radio Okapi (CC BY 2.0)

Viereinhalb Jahre nach Prozessbeginn ist am Oberlandesgericht Stuttgart am 28. September ein historisches Urteil gefällt worden: Erstmals hat ein deutsches Gericht nach dem Weltrechtsprinzip geurteilt. Zwei Kriegsverbrecher aus Ruanda, Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni, müssen für 13 bzw. acht Jahre in Deutschland Haft. Das Gericht befand sie für schuldig, von Deutschland aus eine Miliz befehligt zu haben, die im Kongo Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht. Dabei wirkt der 52-jährige Hauptbeschuldigte Murwanashyaka so gar nicht wie ein Kriegsverbrecher. Er kam zum Studium nach Deutschland und trat hier vor allem als gläubiger Katholik in Erscheinung. Seine Anhänger, die im Kongo grausam morden, begründen ihre Verbrechen teils mit religiösen Vorstellungen. Die Spurensuche führt zu Tätern und Opfern in Ruanda und im Kongo.  

WDR 5, Dok 5, 19. Oktober 2015  Produktion: WDR 2012


Eine Stadt kämpft um ihre Kultur und gegen die Islamisten: Timbuktu Blues

Alte Handschrift aus Timbuktu © Bettina Rühl

Islamistische Gruppen hatten im Frühjahr 2012 den gesamten Norden Malis erobert und Timbuktu, die Oase am südlichen Rand der Sahara, besetzt. Was nicht in das radikal islamistische Weltbild passte, wurde zerstört. So auch historische Kulturstätten und viele Handschriften. Die ältesten stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert und die meisten konnten die Bewohner heimlich retten. Aus den internationalen Schlagzeilen bleibt Timbuktu zwar verschwunden. Doch die Menschen kämpfen weiter um ihre Kultur, und gegen den radikalen Islam.

WDR 3, 13. Juni 2015, Produktion: SWR/BR 2014